Yoga Tradition –  Moderne

Yoga hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Von einer anfänglich körperlosen, philosophisch spirituellen Disziplin, über eine, den Körper zu integrierende Praxis, hin zu unseren heutigen Auffassungen, die oft den Körper und die Gesundheit betonen.

Erst mit dem Aufkommen des Tantrismus im 7 Jhd. wurde der Körper mit in die Praxis einbezogen, zuvor galt der Körper als unrein und nicht wichtig. Frauen hatten erst ab diesem Zeitpunkt Zugang zum Yoga, zuvor war es Frauen nicht erlaubt, ihn zu praktizieren. Heutzutage verbindet sich mit Yoga oft der Gedanke, bestimmte Körperübungen einzunehmen, deren Wirkungen auf mehr Gesundheit, bessere Beweglichkeit, bessere Körperwahrnehmung und Entspannung abzielen.

Yoga ist ein ganzheitliches Übungssystem, dass sich über tausende von Jahren immer weiter und feiner differenziert hat und sich spezifischer an die Bedürfnisse des Menschen von heute anpasst.

„Yoga ist allerdings weitaus mehr, als die Praxis von asanas (Körperhaltungen), auch mehr als die Praxis von Meditation oder pranayama (Atemübungen). Tatsächlich sind die Übungen des Yoga eingebettet in ein Konzept, in dem es vor allem um die Entwicklung positiver menschlicher Potentiale geht.“ M. Soder

Vor über 2000 Jahren, war Yoga vor allem eine Technik, die Struktur des Geistes zu erkennen, sich bewusst zu machen, wie der Geist funktioniert, reagiert und welche  Muster und Hindernisse herrschen, welche zu durchbrechen sind um einen ruhigen klaren Bewusstseinszustand zu erlangen.

Patanjali, einer der bekanntesten Yoga-Gelehrten, hat vor mehr als 2000 Jahren das Yoga Sutra (ein Text aus 195 Lehrsätzen) verfasst und  dabei, eine noch heute gültige Darlegung des menschlichen Geistes nieder geschrieben.

Yoga hat er, wie folgt definiert:

yoga-citta-vrtti-nirodhah    

Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen aller Aktivitäten des Geistes

 

Das Yogasutra hat das heutige Verständnis von Yoga maßgeblich geprägt und ist für die meisten Yogaschulen die philosophische Grundlage.

Die zentrale Idee des Yogasutra ist, dass die Gründe für alles menschliche Leiden in unserem Geist zu finden sind. Wir können das Leiden daher nur beenden, indem wir unseren Geist, verstehen lernen und ihn in die Ruhe führen.

Im Laufe der Jahrhunderte hat Yoga verschiedene Wege zur Selbsterkenntnis entwickelt, die sich überschneiden, aber nicht als getrennte angesehen werden.

 

Yoga- Wege

Jnana Yoga – Yoga des Wissens

Karma Yoga – Yoga der Handlung

Bhakti Yoga – Yoga der Hingabe

Raja Yoga – Yoga der Geisteskontrolle

Hatha Yoga – Yoga der Körperschulung

Kundalini Yoga – Yoga der Energie

Jeder Yoga-Weg hat bedeutende Schriften. Darunter sind die Upanischaden, die Bhagavad Gita, das Yoga-Sutra und die Hatha Yoga Pradipika besonders hervorzuheben.

Basierend auf dieser jahrtausendealten Praxis hat sich eine Vielfalt auch von modernen Yogastilen entwickelt, so dass jede/r, unabhängig vom Alter, Kondition und Gesundheitszustand, egal, welches Bedürfnis auch zugrunde liegt, den Yoga finden kann, der zu einem passt.

Meist steht die asana – Praxis im Mittelpunkt, verbunden mit einem tiefen gleichmäßigen Atem.

Hatha Yoga  ist sozusagen, die Urmutter, der uns bekannten neuen Yogastile. Ashtanga-, Power-, Vinyasa Flow-, Anusara-, Jivamukti- YOGA, welche einen eher dynamisch, kraftvoll Yoga unterrichten oder Vini, Yin, welche sanft, langsam, entspannt vorgehen … alles entspringt einer Quelle. Die Yoga-Vielfalt ist unerschöpflich, es wird kaum etwas ausgelassen, man kann heute Nackt-Yoga, Hot Yoga, Lach Yoga und Acro-Yoga praktizieren.

Die dahinterliegende Yoga-Philosophie hingegen ist und bleibt zeitlos. Die modernen Yoga-Stile stellen dabei lediglich unterschiedliche Aspekte der alten Yoga-Tradition in den Mittelpunkt und ergänzen sie mit neuen Erkenntnissen aus Wissenschaft und eigenen Erfahrungen bzw. Vorlieben.